Freitag, 9. März 2012

Happy Holi

Es ist ein grosses Ereignis fuer die Inder, dieses Festival zu feiern. Es laeutet den Fruehling ein, hat aber noch einen anderen religioesen HIntergrund. Und auch in den Tagen davor war auf dem Markt die Hoelle los.
Schon beim Fruehstueck ist die aufgeregte und freudig erwartende Stimmung zu spueren. Alle sind gut gelaunt, lachen mehr als sonst und sind sehr emsig dabei, alles vorzubereiten. Der Boss ist ueberall zu sehen und gibt Regieanweisungen.


Gegen 11 ist alles soweit fertig: im Hof stehen Baenke, die Musikanlage ist aufgebaut und die Beutel mit den Farben liegen bereit. Es sind grelle Farbpuder, die aber hier ausschliesslich aus Pflanzen gewonnen werden und somit nicht schaedlich sind. Jeder, der den Hof betritt, bekommt als erstes mal rechts und links im Gesicht eine riesige Portion Farbpuder aufgetragen und wird herzlich begruesst: Happy Holi !!! Es ist wichtig, dass man heute nicht die besten Sachen anhat, logisch. Aus diesem Grund hab ich mir gestern noch ein Hemd gekauft und und ziehe eine meiner Hosen an, die ich habe naehen lassen. Sehr komfortabel und sieht noch nicht mal schlecht aus. .......
Heute ist hier eine Gruppe mit sehr jungen Leuten, die aus veschiedenen Teilen der Welt fuer 3 Wochen durch Rajasthan reisen. Die Maedels sind erst ziemlich schuechtern und versuchen sich, erfolglos, vor dem Farbrausch zu schuetzen. Aber nach ein paar Glaesern Rum werden sie deutlich lockerer und schliesslich gibt es keine Hemmungen mehr. Jeder, der mag, kann sich eine Handvoll Farbpulver nehmen und einen anderen damit "einseifen". Es ist ein grosser Spass und sieht echt irre aus. Auch der Hof sieht mittlerweile aus, als habe sich ein Regenbogen in Pulverform niedergelassen. Getrunken wird ordentlich, aber ich bin vorsichtig, damit nicht schon um 12 der Tag dahin ist. Es gibt eine Menge Musik, es wird getanzt, gepudert und gelacht und alle machen mit. Ein fantastisches Erlebnis.Gegen MIttag kommen dann auch Musiker, die mit indischen Instrumenten, deren Namen ich leider nicht mehr weiss, super Musik spielen. Eine Band nach der anderen taucht auf, die Stimmung ist sehr ausgelassen und dann kommt auch noch Wasser ins Spiel. Ich bleibe Gott sei Dank verschont, aber die Reisegruppe tobt umher, angestachelt vom Tourguide. Man kann sich leicht vorstellen, was das fuer eine Mischung ist mit Farbpuder ueberall und darauf Wasser. so geht das weiter bis nachmittags gegen 4, etliche Pullen Rum wurden vernichtet dann haben wir die Meoglichkeit und die Zeit, uns auszuruhen, waehrend in einem anderen Teil des Gartens die Vorbereitungen fuer den Abend getroffen werden. Grosser Feuerkessel, Musik und Videoleinwand. Dank MP3 Player ist es heute leicht, sich authentische Musik mit nach Hause zu nehmen, ohne etliche CD's kaufen zu muessen.

Hier mal ein paar Impressionen, die allerdings nicht von unserem Fest, sondern aus dem Netz sind. Aber ich finde die Bilder sehr gelungen. Und ganz so grosse Farbmengen gab es  auch nicht..........









Klar, dass es erst mal unter die Dusche geht und es braucht schon mehrere Waschgaenge, bis alles einigermassen draussen ist. Tatsaechlich geht es aber recht gut, nur auf der Stirn und an den Fingernaegeln halten sich bis heute einige pinke Farbreste. Auch mit der Digicam bin ich schwer vorsichtig, aber es bleibt nicht aus, dass die eingepraegten Buchstaben im Gehaeuse irgendwann auch pink leuchten, aber ansonsten bleibt sie heile. Auch die Klamotten lassen sich recht gut auswaschen.


Gegen 8 faengt die Party im Garten an, tolle Atmosphaere, super Stimmung, schoene Musik. So geht das dann bis heute frueh 3 Uhr, jedenfalls fuer mich und ich weiss nicht, wann die letzten ins Bett sind bzw. ob ueberhaupt, denn die Gruppe wollte beizeiten am Morgen los.

Das mit zu erleben, ist ein einmaliges Ereignis und ich kann nur schwer nachvollziehen, wie man daran keinen Spass haben kann. Allerdings empfinde ich es auch als sehr hilfreich, dass ich hier ein paar Leute kenne und nicht voelig 
Draussen ist alles ruhig und die Strassen sind menschenleer, ein sehr seltenes Bild. Auch heute frueh merkt man, dass sich doch noch viele ausruhen muessen..............


Echt superaffengeil !!!!!!!!!!!!!!

Es ist jetzt Freitag 13:45 und ich weiss gar nicht.........irgendwie ist der Kopf doch ein wenig schwer, komisch...........


Die Hotels sind gebucht und gestern abend ruft mich Vikas, my Indian Son aus Ajmer , an und die beiden haben die Idee, fuer 2 Tage nach Agra kommen, um sich mit mir zu treffen. Na das sind doch gute Aussichten und  ich freue mich sehr, sie wieder zu sehen.

Mittwoch, 7. März 2012

Montag, 6.3. - MIttwoch 7.3.

Tja Ihr lieben Leserinnen und Leser, was soll ich erzaehlen.......... Aber ungeachtet der Tatsache, dass ich immer noch hier bin und jetzt locker noch Monate verlaengern koennte muss ich doch leider, leider, leider meine naechste Woche planen und die Hotels reservieren, was ja heutzutage Dank PC kein Problem ist.

Es ist hier ein bisschen wie im Maerchen aus 1001Nacht. Gestern durfte ich in ein anderes Zimmer umziehen, welchen noch 10 mal schoener ist , als das eh schon zauberhafte, welches ich bisher hatte. Ein Upgrade sozusagen. Die meisten bleiben hier nur fuer 1 oder 2 Naechte, aber ich habe jetzt (schon  ;-) ) nach 4 Wochen erkannt, dass es auch wunderbar ist, eine laengere Zeit an einem Ort zu verweilen und es ist halt mehr oder weniger zufaellig Bikaner geworden.
Aber auch hier habe ich jeden Tag neue Erlebnisse, die nichts mit den Sehenwuerdigkeiten zu tun haben, denn die kann man hier leicht an einem Tag oder 2 hinter geniessen.

Vorgestern z.B. hab ich zu lange geschlafen, weil mich diese verd........ Muslimprediger mit ihren fantischen lauten Gesaengen nicht haben zur Ruhe kommen lassen. Das hauseigene Restaurant war zu und zufaellig hatte ich am Tag vorher entdeckt, dass es hier ein Garden Cafe um die Ecke gibt. Also hingefahren und finde dort eine sehr angenehme Atmosphaere vor. Sehr hilfsbereit mit Tipps und Plaenen und nicht aufdringlich, wie ich es sonst oft schon erlebt habe. Kurz bevor ich dort ankomme, registriere ich ein Geraeusch am Fahrrad, kann aber auf den ersten Blick nichts erkennen und stelle es ab. Also ich fruehstuecke und wir unterhalten uns und dann hab ich die Idee, mir einen Kurta Payama zuzulegen. Das ist ein Kombination aus einem langen Hemd mit Seitenschlitzen und kurzem Stehkragen und einer weiten Hose. Er bietet mir an, mich zum Markt zu begleiten, was ich sehr gerne annehme. Wir wollen also los und dann sehe ich woher das Geraeusch kam: mein Reifen ist platt. Eigentlich wollte ich heute zum Rattentempel und es ist mittlerweile wieder fast Mittag. Da bin ja mal froh, dass das hier passiert ist und nicht irgendwo auf der Gasse. ER kennt natuerlich die Moeglichkeiten, das reparieren zu lassen und flitze nur schnell zurueck, um die Luftpumpe zu holen. Wir gehen um die Ecke und 10 min. und 10 Rs (15 Cent ) spaeter ist der Schaden behoben und der Schlauch geflickt. Selbstverstaendlich nicht ohne vorher die Innenseite des Reifens nach dem Verursacher zu untersuchen . Also hab ich meinen ersten Plattfuss in 4 Jahren auch hinter mir. Repariert wurde der Schlauch, ohne das RAd ausbauen zu muessen, was sonst doch kompliziert geworden waere.
Der Typ geht also mit mir zum Markt und ich suche Stoffe aus, die seine Tante dann naehen wird. Es ist wirklich seine Tante ;-).......Wir fahren mit meiner Beute zu ihm nach Hause und dort sind seine Frau, seine beiden Kinder, die Tante und eine Schwester. Ich werde sehr herzlich begruesst, es gibt Tee, wir sitzen auf dem Boden und unterhalten uns. Dann probiere ich eine fertige Kombination wegen der Groesse an und schliesslich wird noch die Laenge bestimmt und am naechsten Abend soll alles fertig sein: 2 Hosen und 2Oberteile. Wir mache etliche Fotos und schliesslich gibt es noch etwas leckeres zu essen, aber ich weigere mich, alleine zu essen und der Hausherr leistet mir Gesellschaft. Ich bewundere die Inder, wie lange die so im Schneidersitz auf der Erde sitzen koennen. Ich muss schon nach 5 min. meine Beine neu sortieren und komme mir sehr ungelenkig vor.
Dann verabschiede ich mich und sehe, wie die Tante, ca. MItte 40 anfaengt. schon den Stoff zu markieren. Sie sitzt in einem winzigen Zimmer auf dem Boden und hat sowas wie Schneiderkreide in der Hand. Mir unbegreiflich, wie das geht, wo ich das halbe Wohnzimmer dafuer braeuchte.

Fuer den Rattentempel ist es jetzt viel zu spaet und ich lege mich auf eine Haengematratze mit schoenem Stoff bezogen in den Schatten des Hotelgartens und hoere Musik und versuche, ein bisschen Schlaf nachzuholen.

Am Dienstag steht definitiv der Besuch des Rattentempels an und nach einem kurzem Besuch im Cafe fahre ich zum Circle, an dem die Busse nach Deshnok halten. Alles ganz easy, der Bus faehrt ca. 45 Min.
Ich bin sehr gespannt und betrete den Tempel. fuer die Inder ist er ein sehr wichtiger religioeser Ort und es gilt als besonderes Zeichen fuer Glueck, \wenn einem eine Ratte ueber die Fuesse laeuft und sozusagen nie mehr ungluecklich werden kann man, wenn man eine der seltenen weissen  Ratten entdeckt. Waehrend ich dies schreibe, sehe ich foermlich einige Gesichter vor mir und deren Schreckensaudruck und ich muss gerade richtig lachen. Wenn ihr erst die Bilder seht.........
Also die erste wartet bereits am Eingang zur Begruessung, o.k. es geht ins Heiligste und hier sieht man grosse Schalen mit MIlch oder sowas und Koernern. Rundherum sitzen die Ratten und laben sich an dem reichhaltig gedeckten Tisch. Tatsaechlich kaufen auch die Inder hier Futter und bringen es in den Tempel./ Ganz bis zum Innersten  duerfen Frauen nicht, aber immerhin kann ich viele Fotos machen. Tatsaechlich wimmelt es hier von Ratten, die allerdings deutlich kleiner sind, als wir die so aus unseren Gegenden oder von Bildern kennen. Obwohl sie so gut ernaehrt werden, sterben sie halt doch auch und bleiben dann in irgndwelchen Rinnen liegen. Wo man hinschaut, nur Ratten und es ist eine Mischung aus Faszination und Schrecken, nicht mal Ekel. Und dann tatsaechlich laeuft mir eine ueber den Fuss. Ich hab eher Angst, dass mir eine das Hosenbein hochkrabbelt oder dass ich versehentlich auf eine trete, was mir wahrscheinlich den Eingang in die Hoelle sofort garantieren wuerde.
Draussen in einer Ecke sehe ich dann tatsaechlich eine der seltenen weissen Ratten, mache auch schnell ein Bild und wuensch mir was.

Also nach soviel guten Zeichen kann ja nun wirklich gar nichts mehr schiefgehen und als ich im Cafe die Bilder mit der weissen Ratte zeige, sind sie sehr beeindruckt, manche haben sie bei 10 Besuchen nicht einmal  gesehen.

Ich will mich um das Busticket nach Jaipur kuemmern aber entgegen der ersten Aussage kann ich das Fahrrad nur mitnehmen in den Bussen, die quasi nachst fahren bzw. ankommen. Darauf habe ich nach diesen erholsamen Tagen ueberhaupt keine Lust und ich fahre nun evtl. mit einem Auto. Aber mein Freund vom Cafe will erst mal versuchen, ob er noch was arrangieren kann, weil er manche Busbetreiber halt persoenlich kennt. Inzwischen steht fest, dass ich definitiv am Samstag von hier abreise und in Bikaner das beruehmte Holifestival erleben werde. Es ist sicher gut, wenn man hier jemanden hat, der sich auskennt, wie das genau funktioniert und mich mit nimmt.

Heute frueh habe ich das Angebot erhalten, dass wir am fruehen Abend einen Ausflug in die Wueste machen, was ich mir ja nicht 2x sagen lasse und mit Begeisterung annehme..........

Nun sind auch die Hotels fuer die kommende Woche gebucht und ich werde am Samstag nach Jaipur reisen,  dort am Dienstag weiter nach Agra und dann von Freitag bis Sonntag frueh in Delhi sein. 

Sonntag, 4. März 2012

Freitag, 2.3. - Sonntag 4.3.2012

Lieber Reinhard, Du siehst, Dein Wunsch ist mir Befehl........

Aus diesem Bikaner komme ich irgendwie nicht richtig weg, es ist einfach sauheiss, um mit dem Rad eine groessere Strecke zu bewaeltigen und bei der ungewissen Unterkunftssituation muss man einfach ein paar km strampeln. Da bin ich halt doch ein Weichei und nehme wahrscheinlich am Mittwoch den Bus nach Jaipur, um mich vielleicht auch nocj mal mit Jens zu treffen.

Eigentlich wollte ich erst noch von hier aus ins Shekawati Gebiet, aber so richtige spannende Sachen gibt es da nicht und nur fuer 2 Naechte und einen Tag ist es halt auch wieder rel. aufwaendig. Also habe ich beschlossen, den o.g. Weg zu waehlen.

Die Tage vergehen mit Muessiggang, was in dieser Oase, die das Hotel bietet, nicht schwer faellt. Der Typ vom ersten Tag, Salim, will sich dauernd mit mir verabreden, ich lass mich auch mal drauf ein, aber so richtig locker laeuft die Unterhaltung auch nicht und es ist ein bisschen langweilig. Gestern abend hab ich mal ein anderes Restaurant ausprobiert, war echt auch wieder eine weitere Erfahrung. Das Essen war in Ordnung, ziemlich scharf, aber wir waren die einzigen und es kam erst mal keiner. Salim wollte nichts essen, hat dann aber doch gut zugelangt und ich haette es auch gar nicht alleine geschafft.
Er ist mit mir zum Jaintempel gelaufen, der sehr sehenswert ist und innen sehr mit Malereien ausgeschmueckt ist. Der Verkehr in den Gassen, eher oft nur Haeuserspalten, ist echt Wahnsinn und ich wundere mich fast ein bisschen, dass ich bisher unbeschadet da raus gekommen bin.
Gestern mittag wollte ich dann auch wieder zurueck ins Hotel und stand wieder an der beruehmten Bahnschranke und haette fast eine Gasvergiftung erlitten und dann noch mitten in der Mittagssonne........mir war regelrecht schlecht und ich musste mich erst mal hinlegen. Gegen 17 uhr geht es dann meistens wieder und ich krabbele wieder an die Luft. Da das Zimmer aber wunderschoen ist, macht mir das nichts aus.

Abends sitzen wir immer in der Bar und es kommen jeden Tag andere Leute und reisen meistens am naechsten Tag wieder ab.

Heute ziehe ich mal los, um mich nach moeglichen Busverbindungen umzuhoeren, der "Schalter" ist gleich um die Ecke und ich erfahre, dass jeden Tag 3 Busse nach Jaipur gehen, die allerdings auch 7 Stunden unterwegs sind. Ich werde den um 1 mittags nehmen und mir ein Hotel reservieren. Am Donnerstag ist dann wohl das beruehmte Holifestival, wo man mit grellsten Farben bepudert wird, die man hier in grossen und kleinen Saecken schon bereit stehen sieht. Da muss ich mir noch irgendwas zulegen, was ich dann wegschmeissen kann. Die Farbe soll sich angeblich gut halten........na das wird ein spass. Das heisst aber auch, dass am Donnerstag keine Busse fahren und so hab ich also noch die letzten 3 Tage, die ich hier verbringe.

Wie ich da so am Ticketschalter bin, sitzt da auch ein Typ, na ja ich sag mal koennte vielleicht mein Alter sein, oder aelter. Er spricht recht gut englisch und mischt sich gleich in meine Buchung ein, so nach dem Motto, ich sollte doch heute schon fahren, keine Ahnung warum.
Er ist total "attraktiv", besonders, wenn er abwechselnd sein tadelloses 3.Gebiss mal oben und unten wieder mit der Zunge in Position bringt. Er lacht andauernd und ist echt lustig, aber dann wird er doch schnell ein bisschen zu zudringlich mit so bestimmten Fragen und ich koennte mich echt wegschmeissen. Er zeigt mir einen Laden, in dem es eine bekannte Suessigkeit aus Bikaner gibt und ich koste sie. Dann schleift er mich zu einem Tempel, alles aber nur ein paar Meter. Die Situation ist so kurios, dass ich nur noch lachen kann. Dann trinken wir noch einen frischgepressten Saft und er kommt zack, zu seinem Anliegen: ob ich ein Doppelbett im Hotel haette und ob das andere Bett noch frei waere. Ich antworte wahrheitsgemaess und liege fast unterm Stuhl, als er anbietet, die Nacht mit mir zu verbringen..........Hallooooooo???????  Dann mache ich ihm klar, dass es da 0,0000000 Chancen gibt und dass ich auch auf so manche Fragen nicht mehr antworte. Da er aber auch immer schallend lacht, ist die Situation einfach nur zu komisch und ueberhaupt nicht bedrohlich, obwohl es sich jetzt vielleicht so anhoert, aber ich schuettele echt nur mit dem Kopf.
Dann mache ich aber auch, dass ich wegkomme.

Bisher habe ich fast ausnahmslos die Wahrheit ueber meinen "Status" erzaehlt und hatte im Prinzip noch nie Probleme. Da muessen sie einfach durch und ich hab auch schon viele Maenner getroffen, die auch keine grosse Lust haben, zu heiraten. Leider trifft man immer nur Maenner, ich wuerde mich auch gerne mal mit Frauen austauschen, aber die sieht man hier nur beim Einkaufen und nie wuerden sie einen ansprechen.Schade.

Da ich hier die Sehenswuerdigkeiten alle besichtigt habe, werde ich nun morgen doch nach Deshnok zum beruehmten Rattentempel fahren. Ist ca. 30 km von hier und wenn ich frueh genug dort bin, ist es vielleicht mit dem Gestank dort noch nicht so schlimm. Ich werde dann berichten. Wollte erst nicht dahin, aber ich hab ja Zeit und dann kann ich wenigstens mitreden. Die meisten fanden es rel. interessant dort, aber sie sagen auch einstimmig, dass man sich nicht allzu lang aufhalten moechte, was ich mir gut vorstellen kann. Aber vielleicht sammele ich ja damit noch ein paar Punkte fuer ein gutes Karma......:-))

Donnerstag, 1. März 2012

Donnerstag

Wie erwartet ist die Nacht sehr kurz. Ich ueberlege wie es mit der Reise weitergehen soll und habe ueberhaupt keine Lust, morgen schon wieder auf Achse zu gehen. Ich rechne ein bisschen die Tage aus, die ich noch Zeit habe und beschliesse, mindestens noch 2 Naechte zu bleiben.

Am Vormittag mache ich mit Rad auf einen Streifzug und schnell faehrt einer mit seinem Moped neben mir her und das uebliche. Ich sage, dass ich nur ein bisschen rumschauen will und er meint, ich solle in die Altstadt mit den schoenen Havelis, den alten Kaufmannshaeusern. Ist genau die andere Richtung und er meint, ich solle ihm folgen. Das Rad lasse ich beim Haus der Familie stehen und wir drehen eine ganz grosse Runde durch die Gassen und tatsaechlich stehen hier wunderschoene Haeuser, die aber unweigerlich dem Verfall preisgegeben sind. Reich verziert im Mogustil oder auch mit bunten Fliesen. Ich mache etliche Fotos und komme auch hier aus dem STaunen nicht mehr raus.

Schliesslich kommen wir an einem Gewuerzmarkt vorbei und ich kaufe wieder eine kleine Portion. Wie das hier duftet, herrlich.
Dann gehen wir zurueck zu seinem Haus und auch hier gibt es wieder einen  Cai. Sein Vater malt Bilder und auch er ist ein "Kuenstler". Dann stellt er mir noch sein Laptop zur Verfuegung und wir pruefen, dass die mailadresse funktioniert.
Eigentlich will ich heute nachmittag zur Kamelfarm, aber durch die Hitze ist mir nicht so ganz wohl und ich fahre zurueck zum hotel und mache ein bisschen Siesta.
Jetzt wollen wir uns nochmal treffen, aber ich werde mich nicht lang aufhalten, denn schliesslich gibts ja im Hotel  auch noch eine "Augenbrotzeit"..............................

Mittwoch

Die Nacht war leider wieder mal nicht so gut. Beim leisesten Hauch der Daemmerung fangen die Muezzine an zu singen, aber fragt nicht wie. Das ist eher ein GEschrei mit sich endlos wiederholenden Tiraden, die sich wie Schimpfkanonen ausmachen. Da die Fenster hier nur Holzklapplaeden haben, koennte ich theoretisch jedes Wort verstehen. Auch eine Menge Kinder singen da mit, es ist schrecklich.

Irgendwann stehe ich auf und gehe zum Fruehstueck. Da mir hier alles wie selbstverstaendlich hingestellt wird, gehe ich davon aus, dass es im Preis inbegriffen ist, ist aber nicht so, aber ist ja wurscht.
Das alte Patriziergebaeude liegt direkt hinter dem Stadpalast und von meinem Zimmer aus habe ich einen sehr schoenen Blick dahin und mache mich auf, ihn zu besichtigen.
Er gehoert zu den schoensten in Rajasthan, sagt mein Reisefuehrer und das kann ich nun, nachdem ich schon einige gesehen habe, bestaetigen. Er ist sehr reich ausgestattet und es gibt wunderschoene Zimmer mit herrlichen Malereien und kostbarem Mobiliar zu bestaunen.
Von ganz oben hat man einen sehr guten Rundumblick und insgesamt ist es angenehm ruhig und nicht von Reisegruppen uebervoelkert.
Am Nachmittag ist fuer Unternehmungen zu heiss und ich setze mich in der Gartenanlage des Hotels in den Schatten und lese. Am Abend auf dem Weg zum Restaurant komme ich durch einen Gang, der wunderschoene   Boegen hat und rot gestrichenen Waende, die mit goldenen Ornamenten bemalt sind. Ich mache gerade ein Bild, da kommt der Besitzer daher und es stellt sich heraus, dass er das Haus von seinem Grossvater uebernommen hat. Ich schwaerme von meinem Zimmer und er zeigt mir noch ein paar andere "Gemaecher" . Echt ein TRaum nach dem anderen kommt hinter den Tueren zum Vorschein und ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Er freut sich sichtlich darueber, zumal es seiner Kreativitaet zu verdanken ist, dass dies alles so schoen geworden ist. Ausserdem ist er in meinen Augen der schoenste Mann Rajasthans, wenn nicht Indiens, jedenfalls mit Abstand von denen, die ich bisher gesehen habe. Echt eine Augenweide und dazu sehr nett und verbindlich. Er zeigt mir noch die Bar, die ich nicht entdeckt haette und meint, er freut sich, wenn ich Zeit haette, spaeter vorbei zu kommen.
Das lass ich mir natuerlich nicht 2x sagen und nach dem Essen trinke ich dort mal einen Weisswein. ES kommt noch eine junge Franzoesin dazu und wir unterhalten uns total nett und interessant. Ruckzuck ist es 1:30 und die Nacht wird entsprechend kurz.

Dienstag

Wie verabredet bringt mich am Vormittag ein Tuktuk nach Kimshar und dort geht es mit einem Bus weiter nach Bikaner. Jedenfalls war das so geplant und es war verabredet, dass der Fahrer des Tuktuk sich darum kuemmert, dass ich im richtigen Bus lande. Auf einmal geht es dann ganz schnell, aber ich hoere raus, dass der Bus nur bis Nagaur faehrt und zoegere. Allerdings ist mein Rad schon auf dem Dach, tja, dann muss ich wohl auch mit, der Tickettyp will mir aber auch helfen, dann den richtigen Bus zu finden. O.k.
ES ist wohl ein privater und auch neuer Bus, denn die Bezuege sind noch mit duennen Plastikbezuegen versehen, die allerdings auch nur noch fadenscheinig sind und es ist nur eine Frage von kurzer Zeit, bis der Bus genau wie alle anderen aussieht.
Nach ca. 1 Stunde sind wir da, das Rad wird vom Dach gehievt und schon sitzt einer drauf und dreht eine Runde. Gleich ist er eingefangen und es bleibt keine Zeit fuer Fragen, da ist das Rad im naechsten Tuktuk und es soll zum Busbahnhof gehen. Angeblich gibt es aber keinen Bus nach Bikaner, was ich mir kaum vorstellen kann, aber ich werde auf jeden Fall zum BAhnhof gefahren. Bin echt wieder mal stinkig und fuehle mich komplett verarscht.
Am Bahnhof vor dem Schalter eine Riesenschlange und mein Hals schwillt an. Dann aber macht mich einer drauf aufmerksam, dass ich als Frau wohl ganz nach vorne darf und ich draengle mich schoen vor die Kerle, hahaha. Es ist 13 Uhr  und um 13:30 soll der Zug angeblich gehen. Also noch Zeit genug, auch fuer das RAd im  Parcel Office das Ticket zu buchen. Dann stehe ich aber doch bis ca. 15 Uhr auf dem Bahnsteig, als einzige Auslaenderin und werde wieder mal angestarrt von allen Seiten.
Der Zug ist ziemlich leer und ich setze mich einfach in ein grosses kaum belegtes Abteil, obwohl ich eigentlich in den "Viehwagon" muesste. Aber die Fahrkartenkontrolle faellt aus und ich bleibe unbehelligt.
Vom Rad hab ich nichts mehr gesehen, obwohl ich extra in der Naehe des Ticketschalters geblieben bin. Na hoffen wir mal das Beste.
Der Zug braucht fuer die 100 km ca. 2 h und dann warte ich noch ein bisschen bang ca. 30 min aufs Rad. ES ist mittlerweile 17:30 und ich suche das Hotel, wieder mal fast vergeblich. Komme an eine Bahnschranke, auf der auf beiden Seiten ueber die komplette STrassenbreite die Fahrzeuge stehen und frage mich, was passiert, wenn die jetzt alle losfahren........Viele zwaengen sich aber schon mal unter der Schranke durch. Dann kaum bewegt sie sich einen mm, heisst es: alle Konzentration beisammen und sehen, dass man nicht umgenietet wird. Heiliger Strohsack und dann wieder dauern Hello, whats your name und where are you from und wieder gerate ich in sehr enge Gassen mit Ziegen, spielenden Kindern, Hunden und Maennerhorden. Aber das Hotel ist nicht zu finden. Dann irgendwann treffe ich zufaellig die FRanzosen aus Jodhpur und das Hotel haben sie zufaellig gesehen und es ist ganz in der Naehe.
Hier bekomme ich ein wunderschoenes Zimmer mit Waenden, die mit goldfarbenen Mustern bemalt sind, viele antike Spiegel und Bilder. Das angeschlossene Gartenrestaurant hat ein sehr schoenes Ambiente, aber das ESsen ist mir zu europaeisch und nicht scharf genug. Aber sonst alles topp.

Montag

Nach einer wirklich ausnahmsweise ruhigen Nacht gibts ein kleines Fruehstueck und der Tag vergeht ohne grosse Ereignisse mit viel Muessiggang. Immer wieder kommen Kinder vorbei, schoen getrennt nach Jungen und Maedchen und wollen Fotos machen und interessieren sich fuer das Rad.
Am Nachmittag bin ich im Haus desjenigen eingeladen, der mich auf der Strasse "aufgelesen" hatte. Es gibt Tee wie immer und da der ja auch immer mit Zucker und Milch ist, macht der auf die Dauer auch einen vollen Bauch und ich spuere eigentlich nie ein Hungergefuehl.
Seine 82 jaehrige Mutter mit dicken Silberreifen um die Knoechel sitzt quasi im Schneidersitz auf einem einfachen Gartenstuhl, wahnsinn, wie gelenkig die Omis hier sind. Da sie so ihr ganzes Leben lang sitzen, sind die Baender entsprechend gedehnt. Und dann ruelpst sie auch noch herzhaft, was hier voellig ueblich ist und die Situation wirkt echt kurios.
Am Abend bin ich bei Rajindra zum Essen eingeladen, obwohl ich ueberhaupt keinen Hunger habe. Aber es ist ja auf jeden Fall eine sehr nette Geste. Seine Frau steht um 5.30 auf, um sich erst um das Haus zu kuemmern und dann als Lehrerin in der Schule zu arbeiten, am Abend kommt sie gegen 5 zurueck und kocht das Essen. Waehrend ihr Mann sich mehr oder weniger den ganzen Tag mit Schwaetzchen mit der deutschen Touristin die Zeit vertreibt. Ja, Frau Schwarzer, falls sie das zufaellig lesen: Hier koennen sie noch mal ganz neu anfangen.

Wir verabreden, dass ich am naechsten TAg so gegen 10 fertig sein soll, dann gehts mit dem Bus ueber Nagaur nach Bikaner.